Ohne Handy bin ich nackt - Angst vor Strahlen

Experten: Gefahren für Kinder durch Mobilfunk

Vom 24.04.2006

Von Fabian Wallmeier

MAINZ Die Frage nach gesundheitlichen Schäden durch Mobilfunk-Sendeanlagen und Handys bestimmte am Wochenende das 5. Rheinland-Pfälzisch-Hessische Mobilfunk-Symposium des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Wir sprachen mit den Experten des Symposiums.

"Es wird immer wieder behauptet, dass die Leute sich vor den Mobilfunksendeanlagen fürchten und deshalb krank werden. Das ist mittlerweile widerlegt", sagte Gerd Oberfeld vom Referat für Gesundheit, Hygiene und Umweltmedizin in der Sanitätsdirektion der Salzburger Landesregierung. Er verwies auf eine Untersuchung spanischer Forscher, die er ausgewertet habe. In Spanien habe man die Strahlenbelastung gemessen, der 90 Versuchsteilnehmer in ihren Schlafzimmern ausgesetzt gewesen seien. "Die Gruppe mit der höchsten Strahlenbelastung litt eindeutig stärker unter Symptomen wie Müdigkeit, Schlafstörungen und Depressionen als die Gruppe mit der geringsten Belastung", sagte Oberfeld weiter. Entscheidend für das Auftreten der Symptome sei eindeutig die Strahlenbelastung - ob die Menschen vor den Sendeanlagen Angst gehabt hätten, sei "völlig wurscht", so Oberfeld.

Die Biologin Heike-Solveig Bleuel geht seit zehn Jahren in ganz Deutschland in die Schulen, um Kinder und Jugendliche für die Gefahren, die von Handys ausgehen, zu sensibilisieren. Das Handy werde von jungen Menschen mittlerweile als unverzichtbar eingeschätzt. "`Ohne Handy bin ich nackt`. das ist ein Satz, den ich immer wieder höre", sagte Bleuel. Ihr didaktischer Ansatz sei daher nicht, gleich zu sagen, dass Handys gefährlich seien. "Ich lasse die Schüler vielmehr im Unterricht ihre Handys auspacken, was sie sonst ja in der Regel nicht dürfen", so Bleuel. Sie beobachte dann, wie die Schüler mit den Geräten umgehen. "Im Gespräch mit den Klassen höre ich dann fast immer, dass mindestens ein Kind über Kopfschmerzen beim Telefonieren klagt", so Bleuel. Ihrer Arbeit seien jedoch Grenzen gesetzt. "Wenn die Eltern daheim einen sorglosen Umgang mit den Handys vorleben, habe ich keine Chance", räumte sie ein.

Copyright: Main-Spitze, Verlagsgruppe Rhein Main

//www.main-spitze.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2357494 (Auszug)

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UMWELT UND VERBRAUCHER

24.04.2006 · 11:35 Uhr

Eine Passantin telefoniert mit ihrem Handy in der Nähe einer Mobilfunkanlage (Bild: AP) Eine Passantin telefoniert mit ihrem Handy in der Nähe einer Mobilfunkanlage (Bild: AP)

Angst vor Strahlen

BUND untersucht Belastung durch Mobilfunk

Von Anke Petermann

Die Mobilfunkanbieter erweitern ihre Kapazitäten, die Zahl der Sendemasten im Land steigt stetig. Schaden die Funkwellen der Gesundheit? Einen neuen Forschungsansatz hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vorgestellt.

Modulationsgeräusche eines Messgeräts - sie übersetzen sozusagen den Elektrosmog im Raum ins Akustische. Silke von Domarus aus Kassel informiert sich am Stand der Baubiologen:

"Ich habe selbst gegenüber von drei Mobilfunksendeanlagen gewohnt und habe starke gesundheitliche Beschwerden bekommen, bin aus der Wohnung letztlich ausgezogen. Die Beschwerden waren dann weg, und ich habe mich in die Messtechnik eingearbeitet, weil ich denke, dass das ein wichtiges Thema ist und die Gesundheit vieler Leute bedroht oder schon beeinträchtigt. Es waren etwa anderthalb Jahre, bis sich die Beschwerden deutlich ausgebildet haben. Ich konnte das dann rekonstruieren, und es ist so, dass die Empfindlichkeit des Körpers immer stärker geworden ist, von Schwindel, Atemnot, Herzrasen, dem Spüren von Handy-Impulsen in Jackentaschen neben mir. Also, ich habe nie Handys benutzt, auch kein DECT-Telefon, auch die unmittelbaren Nachbarn nicht. Also, es war diese Mobilfunksendeanlage, dreifach bestückt, muss man dazu sagen, und unsichtbar im Kirchturm, was ich absolut skandalös finde, dass es so was gibt. Also wir wussten es nicht."

Die Mobilfunkanbieter verschleierten den massiven Ausbau des Sendenetzes, kritisieren Betroffene und Umweltschützer, die Politik stempele Betroffene nur zu oft als psychisch gestört ab und sei an Aufklärung und interessenunabhängiger Forschung nicht wirklich interessiert. Warum nicht? Der Elektrosmog-Experte Friedbert Lohner vom BUND Rheinland-Pfalz antwortet mit einer Gegenfrage:

"Was würde gesellschaftlich und im Bereich der Schadensersatzansprüche passieren, wenn wir den hundertprozentigen Nachweis hätten, dass Elektrosmog, dass Funkwellen gesundheitsschädlich sind. Überlegen Sie sich die Auswirkungen auf die Industrie, auf die Politik, auf die Verantwortlichen, die Immissionsschutzverordnungen erlassen und das, denke ich, beantwortet diese Frage am aller ehesten."

Deshalb initiieren die BUND-Landesverbände Hessen und Rheinland-Pfalz nun ein eigenes, staatlich nicht gefördertes Projekt - in Kooperation mit Baubiologen und Medizinern. Fragebögen zur Gesundheit gepaart mit Messungen von Strahlungsbelastung am Schlafplatz sollen ermitteln, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Dosis zum Beispiel von Funkwellen und gesundheitlicher Beeinträchtigung gibt. Mitmachen kann jeder Interessierte, eine Messung soll zwischen 25 und 50 Euro kosten.

"Wir haben uns bei dieser Analyse konzentriert auf den Schlafplatz. Der Schlafplatz ist der Ort, wo Sie sich am längsten aufhalten, in der Regel sieben bis acht Stunden, es ist darüber hinaus der Platz, an dem Ihr Immunsystem am weitesten reduziert ist und damit am empfänglichsten für Außeneinflüsse."

Helmut Merkel, Chef des Verbandes Baubiologie, erinnert an die Diskussion um Holzschutzmittel und empfiehlt: Vorsorge.

"Es dauert erst mal 10 bis 15 Jahre, bis dann erst einmal sicher ist, dass es was macht, und dann ist es meistens zu spät."

Auch Krankenkassen und Schulen sehen sich da in der Pflicht. Sie beauftragen Gesundheitsberater wie Heike-Solveig Bleuel, die Jugendliche über die Gefahren der immerwährenden Erreichbarkeit aufklärt. Bleuels wichtigster Tipp: Das Handy möglichst oft abschalten, denn nur dann strahlt es nicht.

"Weitere Tipps sind, bei einem Handy mit integrierter Antenne die Finger nicht darüber zu legen, man kann auf jeden Fall sagen, dass das Handy am Kopf natürlich mehr Strahlen bewirkt, als wenn ich eine SMS schicke, dass der Empfang gut sein muss, ich soll also nicht im Klassenzimmer telefonieren, sondern meine SMS draußen abrufen, wo auf Grund des besseren Kontakts zur Sendeanlage der Empfang des Handys besser ist, und es dann auch seine Leistung runter reguliert. Sie sind sensibilisiert, sie wollen es wissen, also zum Beispiel: Macht das Handy impotent? Das wollen sie wissen, da gibt es eine Studie aus Österreich, die spreche ich in höheren Klassen auch an und nenne die Warnung des Bundesamtes für Strahlenschutz, die da heißt: Handys haben in den Hosentaschen nichts verloren, auch in den hinteren Hosentaschen nicht."

© 2006 Deutschlandradio



Zum Nachhören:

//ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/04/24/dlf_200604241136.mp3

Sendezeit: 24.04.2006 11:36

Autor: Petermann, Anke

Programm: Deutschlandfunk

Sendung: Umwelt und Verbraucher

Länge: 03:57 Minuten


Nachricht von Christine Kind

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