Mobilfunkantennen beschäftigen die Gemüter

Fachleute, Betroffene und der Wiler Stadtrat informierten eine große Zuhörerschaft

12.03.2006

Ernst Inauen

In der voll besetzten Aula der Lindenhofschule Wil ließen sich besorgte Wiler Bürgerinnen und Bürger sowie auswärtige Besucher über das brisante Thema Mobilfunk und seine möglichen Gefahren aufklären. Gesprächsleiter Daniel Tönz, Busswil konnte als kompetente Referenten den Luzerner Umweltanalytiker Jürg Zimmermann, die Wiler Ärztin Yvonne Gilli und Stadtrat Beda Sartory begrüßen.

Die Hauptziele der Initianten, durch den Informationsabend den Kenntnisstand über das Thema Mobilfunk und seine Gefahren zu erhöhen, die Bevölkerung zu sensibilisieren und die politischen Instanzen zu unterstützen, seien erfüllt worden, meinte ein Besucher der Veranstaltung. ¨

Im Spannungsfeld von wirtschaftlichen Interessen, Gesundheit und Politik sei eine grundlegende Information wichtig. Am Podiumsgespräch beantworteten die Referenten Fragen aus dem Publikum.

Vier Gegenkommitee, keine Betreiber

Schade nur, dass die Problematik nur einseitig beleuchtet wurde, weil Exponenten der Betreiber fehlten. Sie seien zwar eingeladen worden, hätten aber durchwegs abgesagt, gab Gesprächsleiter Daniel Tönz bekannt. Auch Stadtrat Beda Sartory bedauerte, dass die Gegenseite fehlte und daher die Informationen und Stellungsnahmen nur von den Gegnern der Mobilfunkantennen kamen.

Vier Wiler Aktionskomitees gegen Mobilfunkantennen organisierten gemeinsam den spannenden und interessanten Informationsabend. Sie wehren sich gegen die vier geplanten Mobilfunkantennen im Wohngebiet der Stadt. In Wil und in unmittelbarer Nähe der Stadt sind bereits sieben bestehende Anlagen in Betrieb. Nachdem sich schon über 1000 BewohnerInnen Wils einer Unterschriftensammlung gegen den weiteren Ausbau des Antennenwaldes anschlossen, durfte auch für die Informationsveranstaltung mit einem Grossaufmarsch gerechnet werden. In der Tat war denn auch die Aula im Lindenhof voll besetzt.

Risiken des Elektrosmogs

Der Luzerner Umweltanalytiker Jürg Zimmermann befasst sich seit Jahrzehnten mit Elektrobiologie, Elektrosmog und der Strahlungsproblematik. Er zeigte in seinem umfassenden Referat die Auswirkungen von Elektrosmog auf die Gesundheit von Mensch und Tier auf. Bei der hochfrequenten Strahlung einer Mobilfunkantenne betrage die Reichweite bis zu 50 Kilometer.

Die in der Bundesverordnung festgelegten Grenzwerte von 4 bis 6 V/m betrachte er als viel zu hoch. Sensible Personen könnten bereits bei Belastung im Bereich von 0,04 V/m Symptome gesundheitlicher Beeinträchtigung zeigen. Die Aussage von Swisscom „Wir halten die Grenzwerte ein, für die Gesundheit sind wir nicht zuständig“ hätten ihm zu denken gegeben und sagten alles.

Ein Netz würde genügen Zimmermann erklärte die Zusammenhänge des körpereigenen Melatonin- und Serotin-Haushalts. Die Strahlungen würden Licht simulieren und somit zu einer Destabilisierung des Immunsystems führen. Eine ganze Reihe gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Mensch und Tier könne auf den Elektrosmog zurückgeführt werden. Neben den gesundheitlichen Risiken sei auch der Wertverlust von Wohneigentum in der Nähe von Mobilfunkantennen mit 25 bis 50 % bedeutsam.

Der Referent machte auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Mobilfunks aufmerksam. Nirgends werde soviel Werbung betrieben wie bei Handys. Handys für die unbeschränkte Kommunikation, für Spiele, als Wegweiser und vieles andere mehr. Die drei Betreiber Swisscom, Orange und Sunrise hätten im Bereich Mobilfunk 6,7 Milliarden Franken umgesetzt und dabei 2,4 Milliarden Gewinn erzielt. Weil drei Netze betrieben würden, sei eine Abdeckung von beinahe 300 % vorhanden. Eigentlich wäre ein einziges Netz genügend.

Abschließend meinte der Referent, dass eine Verbesserung der gesundheitlichen Risikofaktoren sinnvollerweise mit einer massiven Reduktion der Grenzwerte erzielt werden könnte. „Die kritische Sichtung der wissenschaftlichen Literatur lässt keinen Zweifel an den Risiken zu. Die Problematik ist aktueller denn je“!

Gesundheitsstörungen

In einem Dialog mit der Wiler Ärztin Yvonne Gilli berichtete der elektrosensible Theo Keller, Hemberg über seine Erfahrungen. Etwa sechs Wochen nach der Aufschaltung einer Mobilfunkantenne, die 100 Meter von seinem Wohnhaus stehen, hätten die gesundheitlichen Störungen begonnen.

„Besonders wenn am Wochenende der Mobilfunkverkehr anstieg, verstärkten sich auch meine Beschwerden. Sie äußerten sich in Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen“, erzählte Keller. Auch seine Frau und ein Kind hätten solche Symptome aufgewiesen. Messungen ergaben einen Wert von 0,52 V/m, bei einem in der Schweiz zulässigen Grenzwert von 5 V/m. Mit kostspieligen Abschirm-Maßnahmen konnten die gesundheitlichen Störungen reduziert werden.

Dr. Yvonne Gilli erwähnte, dass Strahlungen auch unterhalb der festgelegten Grenzwerte Wirkungen zeigen können. Allerdings spiele die Summe aller Einflüsse eine Rolle. „Wenn sich ein elektrosensibler Mensch betroffen fühlt, soll er etwas unternehmen. Die gesundheitlichen Folgen sind nicht zu unterschätzen“, empfahl Frau Gilli.

Stadtrat aktiv Stadtrat Beda Sartory, zuständig für das Ressort Bau, Umwelt und Verkehr, klärte über das Vorgehen des Stadtrates auf. „Wir nehmen das Anliegen einer breiten Bevölkerungsschicht und die Verunsicherung ernst. Wir werden alles unternehmen, um den größtmöglichen Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten“. Das vom Stadtrat erarbeitete neue Baureglement sei vom Parlament genehmigt worden, müsse aber auch noch vom Kanton akzeptiert werden.

Mobilfunkantennen seien nicht vollständig verhinderbar und der Spielraum der Behörde sehr klein. Sartory versprach aber, jede Möglichkeit zu nutzen. Auch werde das Gespräch mit den Betreibern gesucht, um akzeptable Lösungen oder Kompromisse zu finden. Er kündigte ebenfalls Grenzwertkontrollen an.

In seinen sachlichen, überzeugenden Ausführungen befasste sich Sartory auch mit grundsätzlichen Überlegungen. „Die Wirtschaft und die Bevölkerung verlangen in der Kommunikation größtmögliche Mobilität und optimale Verbindungen. Aber niemand will Antennen. Allein in der Stadt Wil sind über 10'000 Handys angemeldet“. Für den Laien sei es sehr schwierig, die Risiken und Gefahren richtig einzuschätzen. Es bestünden keine übereinstimmenden Aussagen. Nach seiner persönlichen Meinung ist die Eigenverantwortung jedes Handy-Benutzers gefordert. Erst die starke Ausbreitung des Mobilfunks und die übermäßige Benutzung haben ja zu einem Ausbauanspruch des Netzes geführt.

© IWP 1999-2006

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